PROJEKTREPORTAGE

Deutsche Schule, Madrid

Grüntuch Ernst Architekten, Berlin

Schule mit Aussicht

  • Autorin: David Cohn
  • Fotos: Josef Fischnaller, Celia de Coca, Jan Bitter

Das Berliner Architekturbüro Grüntuch Ernst hat am nördlichen Stadtrand von Madrid den Neubau für die Deutsche Schule errichtet. Kindergarten, Grundschule und Gymnasium sind für 1.800 Schüler ausgelegt.

Der Neubau der Deutschen Schule in Madrid wird unmittelbar vom Bund finanziert. Damit übernimmt die Schule gemeinsam mit der deutschen Botschaft und dem Goetheinstitut einen Part im offiziellen Kulturaustauschprogramm der Stadt. Sowohl die markante Aula als auch die Sporthalle der Schule werden für öffentliche Veranstaltungen genutzt, entsprechend wichtig ist die repräsentative Funktion, die der Architektur der Schule damit zukommt. Natürlich muss der Entwurf den Anforderungen an Funktionalität, Nutzerfreundlichkeit oder Energieeffizienz gerecht werden, doch zugleich sind die angebotenen Lösungen durch den repräsentativen Grundduktus und einen gewissen modellhaften Charakter bestimmt: eine Botschaft sowohl an die Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien als auch an die Besucher aus der spanischen Hauptstadt.

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Ein filigranes Gitterwerk grenzt den großen Foyerhof zum Vorplatz ab. Riesige polygonale Einschnitte im Betonschirm erzeugen ein eindrucksvolles Schattenspiel.

Das Areal liegt am nördlichsten Saum von Madrid, wo das Stadtgefüge abrupt abbricht: Übergangslos beginnt hier das weitläufige Naturschutzgebiet Monte de El Pardo, in der Ferne eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf das Panorama der Guandarrama-Bergkette. Das Berliner Büro Grüntuch Ernst Architekten hat 2009 den Wettbewerb vor 24 Mitbewerbern für sich ntschieden. Der Entwurf präsentiert sich als Matrix aus unregelmäßigen Vielecken, die sich auf allen Maßstabsebenen von Baukörper bis Bodenplatte wiederfinden. Als Gesamtkomposition fügt sich diese Matrix gut in den unregelmäßigen Zuschnitt und die leicht abschüssige Topografie des Areals, darüber hinaus erlaubt sie den Architekten, ein Netzwerk mit mehreren Knotenpunkten zu spannen, was sich für die übergeordnete Organisation des Schulbetriebs als sehr geeignet erweist.

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Das Erdgeschoss der Deutschen Schule in Madrid.

An das breitere Ende der Parzelle wurden die räumlich größeren Blöcke aus dem Bauprogramm gerückt, also Sportanlagen und Indoor-Halle sowie die Schulaula und der Gymnasialtrakt. Die kleinere Grundschule und der Kindergarten schließen sich an. Jedes der drei Häuser hat einen polygonalen Grundriss mit einem zentralen, teils offenen Innenhof und orientiert sich mit den Klassenräumen auf den Fernblick an der Geländerückseite. Die Freiflächen zwischen den drei Schulbereichen sind zur rückwärtigen Seite mit landschaftsgärtnerischen Elementen und Spielplätzen gestaltet, zu Vorplatz und Busstation hin findet sich ein ausgeklügeltes System von „Foyerhöfen“.

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Gelegenheit für beiläufigen Austausch: Alle Wege führen in das gebäudehohe Atrium, zum Marktplatz des Hauses.

Die sechseckige Schulmensa ist zwischen diese teils von pergolaartigen Konstruktionen überspannten Patios eingepasst und fungiert als Puffer zwischen zwei Bereichen: zum einen dem größeren Eingangshof als dem gemeinsamen Treffpunkt für alle, bevor sich die Schüler auf die unterschiedlichen Häuser verteilen, und zum anderen dem kleineren Areal zwischen Kindergarten und Grundschule, das an Regentagen als überdachter Außenbereich genutzt werden kann. Eingefasst sind die Foyerhöfe von durchbrochenen Wandschirmen, wodurch ein nach innen konzentriertes, zur Umgebung hin geschütztes Ensemble entsteht.

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Die farbenfrohen Bäder sind mit Armaturen von Grohe ausgestattet.

Grüntuch Ernst nutzten für ihre Konstruktion ausschließlich Sichtbeton, zum Einsatz kamen dabei sowohl vorgefertigte Teile als auch vor Ort gegossene Elemente, deren Oberflächen direkt im Anschluss durch die Arbeiter behutsam nachbehandelt wurden. Ebenfalls schräg geschnittene, wuchtige Pfeiler stützen in den Höfen die schweren Pergolen aus Beton, die mit ihren unregelmäßig polygonen Öffnungen ein wildes Muster aus Licht und Schatten werfen.

Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst.

In der Mensa führt die über die zweifache Geschosshöhe reichende Verglasung hinter den mächtigen Pfeilern diesen monumentalen Maßstab fort, ebenso das leicht geneigte zeltartige Dach der Aula mit seinen darin eingelassenen dreieckigen Oberlichtern, das den Saal mit 750 Sitzplätzen überspannt.

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Kunst am Bau: Riesige Vorhänge des Berliner Künstlers Carsten Nicolai hängen in der großen Mensa und in der Aula.

Ein wegweisendes Merkmal des Entwurfs ist die nachhaltige Energienutzung, vor allem das ausgeklügelte unterirdische Thermolabyrinth, das die Außenluft vortemperiert und so den Bedarf an maschinellem Airconditioning senkt. Als visuelles Leitsystem im Inneren nutzen die Architekten warme Farbakzente. In den Klassenräumen und entlang der Verbindungsflure finden sich bunte Wandpaneele, in den Waschräumen flutet die Farbe gleich alle verfügbaren Oberflächen: Mit farblichen Betonungen werden die Schüler und Schülerinnen angeregt, sich auch mit dem Gebäude spielerisch zu beschäftigen, nicht nur mit trockener Mathematik oder Algebra.

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Die Öffnung der Grundschule zum Patio, im Hintergrund die Kita.

Architekten

Grüntuch Ernst Architekten, Berlin
www.gruentuchernst.de

Das Büro Grüntuch Ernst Architekten wurde 1991 von Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst in Berlin gegründet. Mit seinen rund 30
Mitarbeitern deckt das Büro das gesamte Spektrum architektonischer Planung von der städtebaulichen Masterplanung bis zur Realisierung anspruchsvoller Bauprojekte ab. Das Werk umfasst Wohn- und Bürogebäude, Verkehrsbauten, Hotels und Bildungseinrichtungen, aber auch Sonderaufgaben. Die jeweils maßgeschneiderten Projekte basieren auf einer engen Verbindung von traditionellen Werten der Architektur und zukunftsweisender Innovation. Die Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Bauten führte zu zahlreichen nationalen und internationalen Veröffentlichungen und Auszeichnungen.

Projekte (Auswahl)

2016 Umbau Hauptbahnhof, Chemnitz
2012 Umbau u. Neuprogrammierung Jüdische Mädchenschule, Berlin
2012 Wohnen am Marthashof, Berlin
2008 Baugruppenhaus Auguststraße 51, Berlin
2006 10. Architekturbiennale Venedig, Kuratoren des Deutschen Pavillons

Produktinformationen

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